Was die Steinzeit mit deinen Zweifeln zu tun hat und warum du nicht all deinen Gedanken glauben solltest

Im letzten Blogpost haben wir uns die Auslöser von Stress angesehen und die Verbindung zu Gedanken, Emotionen und Reaktionen.

Der nächste Schritt ist nun, bewusst andere - nämlich fördernde Gedanken zu wählen. Das hört sich in der Theorie sehr einfach an, hakt aber in der Umsetzung. Warum ist das so?

Erstens ist das Bewusstmachen von Gedanken, die durch den Kopf schwirren keine leichte Aufgabe, wie du vielleicht schon selbst bemerkt hast. Auf einen Menschen kommen ca. 60.000 Gedanken pro Tag. Sobald wir also einen Gedanken identifiziert haben, rasen immer noch zig tausende andere unbemerkt nebenher.

Manche Experten auf diesem Gebiet betiteln Gedanken sogar als Feinde. Für mich sind Gedanken prinzipiell neutral und wir können entscheiden, ob wir einem bestimmten Gedanken Glauben schenken und ihm blindlings nachrennen oder eben nicht.

Ich erklär dir auch, warum du nicht alles glauben solltest was du denkst und woher die Provokation kommt, Gedanken seien Feinde. Dazu möchte ich dir ein paar kurze Anhaltspunkte geben, wie Gedanken zustande kommen. Zunächst begeben wir uns auf eine Reise zurück in die Steinzeit. Die ursprüngliche Aufgabe unseres Gehirns diente rein dem Überleben, das heißt es war ständig auf der Suche nach Gefahren vor denen es uns warnen konnte. Damals waren dies Raubtiere in der Wildnis, die buchstäblich lebensbedrohlich waren. Selbst wenn wir jetzt - allgemein gesprochen - relativ selten dem Tod ins Auge sehen ist unser Hirn immer noch auf Warnung programmiert und daher ständig auf der Suche nach Gefahren, was übersetzt in unsere Gesellschaft - auf der Suche nach Problemen bedeutet und uns in Angst versetzt. Unter dem Aspekt von einem Wildtier getötet zu werden, hatte Angst eine nützliche Funktion: Sie sicherte das Überleben. Heute hält uns Angst unter anderem davon ab, unsere Ziele zu verfolgen und Träume zu verwirklichen.

Erschwerend kommt hinzu, dass unser Hirn Gewohnheiten liebt und jede Art der Änderung als potentielle Gefahr sieht und daher auf der Stelle Einwände parat hat, warum etwas nicht passieren sollte - ungeachtet davon, ob dies schädlich für dich ist oder nicht.

Viele Gedanken kommen auch von unserer Kindheit, die sich zu festen Glaubenssätzen und Denkmustern entwickelt haben und so tief in uns schlummern, dass wir gar nicht Mal merken, dass wir in ihnen gefangen sind.

Dazu gibt es noch so viel mehr zu sagen, worauf ich hier nicht näher eingehen werde. Mein Ziel ist, dir ein Grundverständnis mitzugeben, woher Gedanken kommen bzw. wie sie zustande kommen.

Ein Gedanke ist so lange nichts anderes als ein Gedanke, bis du beginnst daraus ein Glaubensdogma zu entwickeln wonach du schließlich dein Handeln ausrichtest. Und das kannst du für dich nutzen: Mit diesem Hintergrundwissen kannst du bewusst neue Gedanken wählen und diese zu deinem neuen Glaubensdogma machen, das dich weg von Problemen und hin zu Lösungen führt.

Im ersten Schritt darfst du dir von nun an bei einem destruktiven oder negativen Gedanken, die Frage stellen, ob er tatsächlich der Wahrheit entspricht. Es geht uns hier gar nicht darum, den Ursprung zurück zu verfolgen, sondern - vor allem bei hindernden Gedanken - zu hinterfragen, ob das wirklich so ist. Möchtest du zum Beispiel - nun ganz grob Verallgemeinert - etwas in deinem Leben ändern, wie eine Tätigkeit beginnen/enden, ein Verhalten an den Tag legen, z.B.: öfters „Nein sagen“ wird meistens kurz bevor du zur Tat schreitest die Stimme in deinem Kopf laut und bringt dich mit Worten wie „Das kann ich nicht“, „Das wird ja eh nichts“, etc. zum zweifeln. Kommt dir das bekannt vor?

Angenommen du bist dir diesem Gedanken nun bewusst und möchtest ihn durch einen anderen Gedanken ersetzen, wäre auf den ersten Blick „Ich kann das“ der direkte Weg zur Änderung. Das Problem mit dem positiven Umkehrgedanken ist allerdings, dass du diesen nicht unbedingt glauben wirst, weil dein Hirn ja schon so viele Gründe und Argument gesammelt hat, warum du eine Sache nicht kannst und sofort in Widerstand gehen würde (abgesehen davon mag es keine Veränderung und schon gar keine so krasse, das heißt es liefert noch mehr „Beweise“ warum du etwas nicht kannst).
Daher ist der erste Schritt einen Gedanken zu wählen, den du auch tatsächlich glauben kannst. Dieser Gedanke ist dein sogenannter Brückengedanke, der dich von deinem nachteiligen Gedanken zum gewünschten bringt.

In unserem Beispiel „ich kann das nicht“ könnten folgende Brückengedanken hilfreich sein: „vielleicht kann ichs ja doch“ „Ich finde heraus wie das geht“, „was wäre, wenn ich das könnte“, „was kann ich tun, damit ich es kann“, usw.

In Stresssituationen könnte ein hindernder Gedanke sein „Ich habe keine Zeit“. Wenn du diesen Gedanken erwischt, könntest du fragen „Wie kann ich mir mehr Zeit schaffen“, „Vielleicht habe ich doch mehr Zeit, als ich dachte.“, usw.

Fragen sind prinzipiell sehr gut für dein Gehirn, weil du es damit für dich sinnvoll einsetzt und es beschäftigst Lösungen zu suchen, statt dir noch mehr Probleme aufzuzeigen.

Welcher Glaubenssatz steht dir gerade im Weg? Überleg dir welche Brückengedanken du dazu finden kannst, um ihn aufzulösen. Wenn du diesen Brückengedanken oft genug wiederholst, bis er quasi automatisch kommt, kannst du einen Schritt weiter gehen und einen nächsten (Brücken)Gedanken wählen, diesen wiederholen, bis er in Fleisch und Blut übergegangen ist bis du irgendwann bei deinem positiven Gedanken bist (dem Gegenteil von deinem ursprünglichen negativen) und diesen dann tatsächlich glauben kannst.

Viel Spaß beim Experimentieren, schreib mir gerne wenn du Fragen hast oder du deine Erfahrungen teilen möchtest!

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